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Biographie

Gedenke

Anfang der siebziger Jahre des vorigen Jahrhunderts fand ich zwischen den Hohlwänden unseres Bauernhofs in Putten ein ramponiertes Exemplar von Anne Franks Tagebuch. Es stammte von einer der ersten Auflagen und wurde meine „kleine Bibel“, ein kostbarer Schatz, der mir in den Schoß gelegt wurde durch jemand, der höher ist als ich. Es schien mir wie ein Wink des Schicksals, als ich viele Jahre später für die Rolle der Anne Frank auserwählt wurde. Ich hab diese Rolle ins Herz geschlossen und begab mich auf einen Weg, bei dem mir gleichsam sechs Millionen jüdische Augenpaare über die Schulter sahen. Es war, als ob sie mir sagen wollten: „Sei uns eine Stimme“.

Die Grausamkeiten, die sich während der Jahre 1938-1945 in Europa zutrugen, übertrafen jeden Horrorfilm und jede dunkle Vorstellung.

Das Drama der Schoah, die Konzentrationslager und der Versuch, ein ganzes Volk auszurotten, sind so unwirklich, dass wir es kaum glauben können. Es geschah vor unseren Augen. Dennoch ist es nicht fassbar, dass der Mensch zu solchen Gräueltaten fähig ist. Es müsste doch zumindest ein Gefühl der Unruhe in unserm Herzen hervorrufen. Ein unheimliches Gefühl, das sich nicht so einfach unterdrücken lässt, wie ein Dorn, der sich in unserem Gewissen festhakt und uns wachrüttelt: „Vergiss mich nicht!“… „Tu was!“… „Gedenke!“… „Lerne daraus!“

Wenn wir aus der Vergangenheit nicht lernen, wenn wir die Gräueltaten verdrängen, zu denen wir als Völker Europas fähig waren, wird das vergossene Blut von Millionen uns einmal einholen und gegen uns zeugen. Vielleicht nicht hier in diesem Leben, ganz bestimmt aber im Leben danach.

Wer hat den Mut, festgetretene Pfade zu verlassen und sich neu zu orientieren? Wer hat den Mut den Geschichten derer zuzuhören, die überlebt haben? Wer nimmt sich die Zeit, sich zu identifizieren mit den Opfern, mit den Schrecken und den Entbehrungen, denen sie ausgesetzt waren? Wer hört die Helden, die Widerstandskämpfer? Was hat sie bewegt, ihr Leben für andere hinzugeben? Woher bekamen sie ihre Werte und Prinzipien, die denen der Henker diametral entgegengesetzt waren? Woher bekamen die Täter ihre Teufelspläne? Wer oder was hat sie dazu gebracht?

Nehmen wir uns die Zeit, uns damit auseinanderzusetzen, nicht um Antworten zu geben, sondern um Fragen zu stellen.

Fragen, die wehtun und Wunden tief in unseren Herzen hinterlassen. Miteinander wollen wir suchen, austauschen, stille sein und dann versuchen, diese abgründige Vergangenheit mit der Gegenwart zu verbinden. Sie in unseren Alltag zu übertragen. Sie mitzutragen und, falls möglich, in etwas Sinnvolles umzugestalten. Können wir der erstickenden Aussichtslosigkeit, dem Todesgeruch jenes Krieges ein wenig Sauerstoff einhauchen, indem wir etwas daraus lernen? Wo werden wir stehen, wenn wir jemals selbst in solch einen furchtbaren Kampf hineingeraten? Werden wir unter den Gerechten sein, die den Andern zu Hilfe eilen, auch wenn es uns das Leben kostet? Unter denen, die würdig, liebevoll und selbstlos ihr Licht mitten in Schrecken und Finsternis scheinen lassen?

Kehre um, siehe, höre, lerne und GEDENKE!

Jip Wijngaarden

Biographie

1964 
Am 5. Juli geboren in Amsterdam unter dem Namen Janneke Wijngaarden.

1980
Studium an der Kunstschule Nimeto in Utrecht als Vorbereitung für weitere Studien an der Kunstakademie. Aus Janneke wird schon bald Jip.

1982
Jip bewirbt sich mit 3000 weiteren Kandidatinnen um die Rolle der Anne Frank im Rahmen einer Theaterproduktion von Anne Franks Tagebuch unter der Leitung von Jeroen Krabbé.

1983
Jip verlässt die Nimeto Akademie und zieht nach Amsterdam. Sie spielt zwei Jahre im Theater die Rolle der Anne Frank, sowie die Hauptrolle im gleichnamigen Film.

1983-1990
Jip spielt mehrere Theater- und Filmrollen. Sie produziert wöchentliche Beiträge für eine Radiosendung, ist Mitbegründerin einer Theatergesellschaft, an der sie sich sowohl schauspielerisch als auch als Bühnenbildnerin und Entwerferin von Kostümen beteiligt.

1987
Aktzeichnen nach lebenden Modellen im Museum Van Gogh.

1988
Selbstständige Kostümentwerferin und Mitbühnenbildnerin für das Stück Philoctetes eines Theaterensembles.

1989
Rolle der Sien Hoornik in der amerikanischen Produktion von Robert Altman über das Leben des Vincent van Gogh. Die Aufnahmen finden teilweise in Frankreich statt. Jip lernt dort den französischen Tontechniker Philippe Combes kennen.

1990
Sie heiratet Philippe Combes und zieht nach Paris. Beide finden zum Glauben an den Messias Jeschua.

1991
Jip wird getauft im Pariser Point du Jour.

1993
Umzug nach Thonon-les-Bains, in der Nähe des Genfer Sees. Jip gibt Schauspielkurse und adaptiert einen Brief von Etty Hillesum für einen Theater-Monolog, den sie selber in Straßburg auf Französisch aufführt.

1994
Erste Begegnung mit Arthur Katz. Mitarbeiterin und Moderatorin des Dokumentarfilms über die Schoa, Ich kann es nicht mehr ansehen, der teilweise in Israel gedreht wird. Das Ehepaar zieht nach Sergy im Pays de Gex.

1995
Nebenrolle im Film Der Hügel der tausend Kinder.

1997
Hebräisch-Studium an der Jüdischen Schule in Genf. Hauptrolle im Fernsehfilm Blindgänger unter der Regie von Mark Timmer.

1999
Tod des Vaters Jan Wijngaarden. Baubeginn des eigenen Chalets in Sergy. Bau des Ateliers durch Philippe.

2000
Jip malt erste Bilder zur Thematik Israel und die Bibel.

2002
Aktzeichnen nach lebenden Modellen an der Kunstakademie in Genf.

2003
Erste große Ausstellung in der ehemaligen Synagoge in Kampen unter dem Titel Boulevard des Déportés und anschließend Ausstellung im Etty Hillesum Zentrum in Deventer.

2004
Ausstellung in der großen Synagoge in Groningen. Anläßlich der Mai-Gedenkfeiern am 4. und 5. Mai Ausstellung im Rathaus von Ermelo, wo Jip im Stadttheater ihre Gemälde präsentiert. Ausstellung in einer kleinen orthodox-jüdischen Synagoge.

2005
Ausstellung in der großen Synagoge in Enschede unter dem Titel Die Zeit stand still.

2006
Jip lernt Gravieren in Rolle, Schweiz. Sie arbeitet auf eine neue Ausstellung hin anläßlich der Eröffnung des Museums der Synagoge in Elburg.

2007
Jip malt viel und hält Vorträge über ihr Werk in Frankreich, der Schweiz und Österreich.

2008 
Eröffnung der Ausstellung Dein Volk, mein Volk im Museum der Synagoge in Elburg, wobei das Buch mit dem gleichnamigen Titel herauskommt.

2009
Erneut Ausstellung in der großen Synagoge in Groningen. Mitwirkung am Fersehprogramm Auf drei Eseln in Israel. Bau eines neuen Ateliers in Sergy.

2010 
Gala-Präsentation anläßlich des 50. Geburtstags des Anne Frank-Hauses in der Amsterdamer Westerkerk. Ehrengast ist Königin Beatrix. Nach der Heimkehr Autounfall mit schwerwiegenden Folgen.

2011 
Notaufnahme im Krankenhaus, danach eine erfolgreiche Rückenoperation.

2012 
Jip nimmt ihre Arbeit wieder auf und malt in ihrem Atelier an einem neuen Werk. Eröffnung der Ausstellung Ich vergesse dich nie im neuen Flügel des Museums der Synagoge in Elburg durch die heutige Königin Maxima. Gemälde aus der Serie Boulevard des Déportés hängen einige Monate im Christians for Israel-Zentrum im niederländischen Nijkerk.

2013
Wiederum große Operation, diesmal am Nacken. Ausstellung Komm bitte heim zum Sabbat in der großen Synagoge in Groningen.

2014
Jip malt eine neue Serie auf Leinwand und arbeitet an ihrem Buch Aloude Paden (niederländisch- englisch).

2015
Ausstellung in der Alten Kirche in Delft. Später im Jahr Ausstellung im Museum der Synagoge in Elburg.

2016    
Ausstellung im Gutenberg Museum in Freiburg, Schweiz und Buch Baum des Lebens - L‘Arbre de Vie (deutsch-französisch und niederländisch-englisch).